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TeeBoOeconomia 2020
#1
   

Carmen Losmann interviewt Banker und Volkswirte, entwickelt Grafiken und schneidet dies mit Kommentaren einer Runde kapitalismuskritischer Experten. Ausgangspunkte sind einfache Fragen wie: „Wie entsteht eigentlich Geld?“, und damit verbunden: „Wie entstehen Gewinne? Und warum wachsen die Schulden, wenn die Wirtschaft wächst?“.[3] Schließlich: „Wie kommt es zur Schere von Privatvermögen und Staatsverschuldung?“

Der Film beginnt mit einem Waldbild, das sich als Desktophintergrund eines Computers herausstellt. Es wird ein Grafikprogramm geöffnet, mit dem ein Dreieck von Kreisen gezeichnet wird; sie werden beschriftet mit Wirtschaftswachstum, Verschuldung und Vermögenskonzentration. Carmen Losmann nennt eine Motivation ihres Films: „Seit der Finanzkrise versuche ich, die Phänomene unseres Wirtschaftssystems zu verstehen.“ Das nächste Diagramm zeigt, wie sich (weltweit) zwischen 1950 und 2018 sowohl Wirtschaftsleistung als auch Verschuldung in ähnlichem Ausmaß vervielfacht hätten. Dabei wachse ständig die Ungleichheit in der Vermögensverteilung. Losmann fragt nach dem Zusammenhang, den „Spielregeln des Systems“.

Danach folgt die erste Episode des zweiten filmischen Stilmittels: „Eine Runde kapitalismuskritischer Experten hat Losmann in der Frankfurter Fußgängerzone an einem Tisch platziert und lässt sie ‚Monopoly‘ spielen. Gleichzeitig kommentieren sie die Mechanismen der Finanzwirtschaft wie ein griechischer Chor.“ Gespielt wird allerdings eine Version des Frankfurter „Arbeitskreis Wirtschaft“, bei der die Spieler am Anfang kein Geld zugeteilt bekommen, sondern es erst durch Baukredite erhalten. Das Geld verteilt sich dann im Kreislauf an andere Spieler, die ausführende Firmen repräsentieren. Einer der Experten interpretiert, das Geld entstehe erst mit wirtschaftlicher Aktivität.

Im Folgenden berichtet die Regisseurin von Interesse, auf das ihre Recherchen stoßen, aber auch von Unwillen, Misstrauen, Rücknahme oder Reglementierung von Drehgenehmigungen; Beispiele von ersten (nachgestellten) Telefonaten werden wiedergegeben. Im ersten fragt sie nach dem Motor der Triade. Ihr Gesprächspartner verweist auf den „Maschinenraum des Kapitalismus“, in dem die Banken das Privileg hätten, Geld zu schöpfen, das noch nicht erwirtschaftet wurde. Andere antworten ausweichend auf die Frage, wie Geld entstehe, geben zu, es nicht zu wissen oder sagen, dass diese Frage für ihre Arbeit irrelevant sei.

In den folgenden Szenen wird eine Kreditentscheidung in einem Bankgremium nachgespielt sowie ein Kreditgespräch zwischen dem Geschäftsleiter der Gemeinschaftsbank Basel und einer Kundin. Dazu werden die Einträge in das Buchhaltungsprogramm der Bank gezeigt: Auf der Soll-Seite wird das Kreditkonto der Bank mit dem Kreditbetrag belastet, während auf der Haben-Seite das Guthabenkonto der Kundin erhöht wird. Der Geschäftsleiter erklärt, dass damit die Geldschöpfung in Form einer Bilanzverlängerung, also einer Ausweitung der Bilanzsumme auftritt. Die Bank habe sich dafür „in keiner Weise“ Geld auf einem bestehenden Einlagenkonto beschaffen müssen.

Im weiteren Verlauf des Films werden zustande gekommene Interviews gezeigt, etwa mit Peter Praet, „dem ehemaligen Chefvolkswirt der Europäische Zentralbank, mit Nicolas Peter, dem Finanzchef von BMW, mit Andrew Bosomworth von der Investmentgesellschaft Pimco oder Thomas Mayer, dem ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bank.“

Der Film schlussfolgert, dass nicht nur die Zentralbanken Geld „quasi aus dem Nichts“ schaffen würden, sondern auch die Geschäftsbanken, indem sie durch Kreditvergabe ihre Bilanzsumme erhöhen. Wachstum der Geldmenge sei die Voraussetzung für Wirtschaftswachstum, damit Ausdehnung der Produktion und des Ressourcenverbrauchs. Durch die Ausbeutung der Natur würde die Illusion aufrechterhalten, dass stetiges Wachstum weiter möglich sei. „Dadurch nehmen wir wahr, dass wir reicher werden und bilanzieren aber gar nicht, wie wir gleichzeitig durch den Naturverlust ärmer werden.“, meint der Physiker Dag Schulze am runden Tisch.

In einem nachgestellten Telefonat spricht eine Frauenstimme gegen Ende des Filmes: „Aktuell befinden wir uns in einer Art Wettrennen. Wer kollabiert zuerst? Unser Ökosystem Erde oder der Kapitalismus, der ein bislang nie erreichtes Spannungslevel an Vermögen und Verschuldung aufgebaut hat.“ Die Wirtschaftspublizistin Samirah Kenawi schlussfolgert am runden Tisch, es fehle an Wissen und an Alternativen. Man müsse über Alternativen nachdenken.


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