Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
PigyBabai (2020)
#1
   


Mehr schlecht als recht schlägt sich Gezim (Astrit Kabashi) in den 90ern im Kosovo durch. Das Geld, das er durch den Verkauf von Zigaretten verdient, reicht kaum zum Leben. Schon länger will er deshalb nach Deutschland auswandern, um dort ein neues Leben zu beginnen. Dafür ist er auch bereit, seinen Sohn Nori (Val Maloku) allein bei der Familie zurückzulassen. Tatsächlich gelingt Gezim eines Tages die Flucht, als Nori nach einem Unfall im Krankenhaus liegt. Dieser will sich mit dem Schicksal aber nicht abfinden und beschließt daher, seinem Vater hinterherzureisen, koste es, was es wolle.
Dass angesichts des allumfassenden Themas der Flüchtlingskrise etwas zeitversetzt Filme folgen würden, war zu erwarten. Bei Babai ist das jedoch eher Zufall, denn das letztes Jahr auf dem Filmfest München mehrfach gewürdigte Drama hat erstens einen anderen historischen Kontext, spielt zwei Jahrzehnte vor den aktuellen Geschehnissen. Zweitens geht es dem Film auch gar nicht um die Hintergründe oder die Flucht an sich. Es ist das seltsame Vater-Sohn-Gespann, welches hier im Mittelpunkt steht.
Nein, ein Vorbild ist Gezim sicher nicht. Schon früh zeigt er, dass ihm an der Nähe zum Sohn kaum etwas liegt, er nutzt dann auch die erstbeste Gelegenheit, um sich aus dem Staub zu machen. Und doch ist Babai nicht so richtig eine Geschichte über einen Jungen, der einfach nur unter einem verantwortungslosen Vater leidet, der Film des serbischen Regisseurs und Drehbuchautors Visar Morina hat ein anderes Anliegen als das thematisch verwandte Jack. Auch wenn nicht immer so ganz klar wird, welches das sein soll.
Drei große Abschnitte gibt es innerhalb des Films: das Zusammenleben im Kosovo, die Flucht, das Wiedersehen in Deutschland. Gemeinsam ist es den dreien, dass die Atmosphäre ausgesprochen trostlos ist, die Figuren ziemlich unsympathisch. Eigentlich gibt es hier niemanden, den man wirklich mag. Jeder scheint hier nur auf seinen persönlichen Profit aus zu sein, man brüllt, man schreit, man zetert, Familienrituale treten anstelle eines Familienzusammenhalts. Da wird dann schon mal die Finanzierung einer arrangierten Hochzeit wichtiger als das Wohlergehen der Kinder. Zudem wird betrogen und geklaut, was das Zeug hält, selbst Nori hat keine Skrupel, seinem Onkel das Geld aus der Tasche zu ziehen oder mit einem Knüppel auf andere loszugehen, wenn es die Situation erfordert.

The Babai is a Slavic folkloric figure used by parents as an educational threat. Children who get up at night are kidnapped by this mysterious creature, parents tell them, hoping their little ones will stay in bed. Russian director Artem Aisagaliev adopts the grim undertone of this fairy tale to illustrate the fear and trauma inextricably linked to aging.


Zitat:                                                


Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste